Insektenkunde

EINTAGSFLIEGEN
Keine anderes Insekt wird mit dem Fliegenfischen stärker in Verbindung gebracht wie die Eintagsfliege. Die Ordnung der Eintagsfliegen (Epemeroptera) zählt ca. 2500 Arten wovon ca. 100 in Mitteleuropa vorkommen. Der Name ist etwas irreführend, da die Eintagsfliege weit länger als nur einen Tag lebt. Viele Arten haben tatsächlich eine Lebenszeit von bis zu 3 Jahren, der Name “Eintagsfliege” bezieht sich nur auf die kurze Zeitspanne vom Schlupf aus der Nymphenhülle bis zur Eiablage bzw. Tod des geschlechtsreifen Imagos.

Die Larven und Nymphen
Nach der Eiablage ins Wasser entwickeln sich nach kurzer Zeit Larven, die mehrere Stadien durchlaufen. Als Nymphenstaduium bezeichnet man dann den Zeitraum kurz vor dem Schlupf wenn der Körper sich dünkler färbt und die Flügelscheiden anschwellen.. Viele Arten steigen dann zum Schlupf an die Wasseroberfläche empor, um dort im Oberflächenfilm aus der Nymphenhaut auszukriechen. Es ist jedoch auch möglich, dass die Nymphe bereits unter Wasser auskriecht und das fertige Insekt dann zur Oberfläche schwimmt. Das frisch geschlüpfte Insekt ist noch nicht geschlechtsreif und wird als Sub- Imago bezeichnet (Dun). Nach kurzer Verweilzeit an der Oberfläche um die Flügel zu “trocken” hebt der Sub-Imago dann ab und fliegt meist in gewässernahe Vegetation wo dann nochmals eine Häutung zum Imago, dem geschlechtsreifen Insekt, stattfindet. Die Imagos kehren dann zur Paarung und Eiablage ans Gewässer zurück, und treiben dann oft völlig erschöpft mit der Strömung ab.

Für den Fliegenfischer wichtige Stadien sind das Nymphenstadium, die Dun beim und kurz nach dem Schlupf, sowie der Imago bei und nach der Eiablage.

Die Larven bewohnen je nach Familie verschiedene Bereiche eines Gewässers und legen auch sehr unterschiedliches Verhalten an den Tag. So gibt es Larven die sich im sandigen Untergrund Röhren graben, um dort bis zu ihrem schlupf geschützt zu leben. Aufgrund dieser versteckten Lebensweise sind diese “Gräbernymphen” eher von geringerBedeutung für den Fliegenfischer, erst kurz vor dem Schlupf wenn die Nymphen zur Wasseroberfläche aufsteigen sind sie als Nahrung für Fische verfügbar. Die wohl bekannteste Eintagsfliege, Epemera danica, (Maifliege) wird zu diesen Gräbern gezählt.

Ein völlig anderes Verhaltensmuster zeigt die Familie der Baetiden, die an vielen Gewässern die am häufigst vorkommenden Eintagsfliegen sind. Man findet sie meist zwischen Wasserpflanzen aber teilweise auch unter Steinen oder im schottrigen untergrund. Die Baetidaen sind gute Schwimmer, weshalb sie auch zur Gruppe der Schnellschwimmer gezählt werden. Sie werden oft von der Strömung erfasst und stellen daher eine konstante Nahrungsquelle dar, auch wenn gerade kein schlupf stattfindet.

In schellfliesenden Gewässern ist die Familie der Heptageniidaen meist sehr stark vertreten.
Diese Larven haben stark abgeplattete Körper ,sind oft unter Steinen zu finden und werden nur selten von der Strömung mitgerissen ( Steinklammerer). Charakteristisch ist der im Vergleich zu anderen Larven relativ große Kopf. Besonders interessant ist, dass die meisten Arten bereits unter Wasser schlüpfen und der Subimago dann zur Wasseroberfläche emporschwimmt. Dieses Verhalten kann sehr gut mit einer soft hackled Nassfliege imitiert werden. Ein besonders bekanntes und effektives muster für austeiger wäre z.B. die Märzbraune.

Meiner Meinung nach ist es für den Fliegenfischer nicht notwendig jede Eintagsfliege bis zur Gattung oder Art bestimmen zu können, es ist jedoch ein großer vorteil wenn man die vorkommenden Insekten den Familien zuordnen kann und somit seine Anbietetaktik auf das Schlupfverhalten abstimmen kann. So würde es zum Beispiel wenig Sinn machen die zuvor erwähnten Heptageniden in ruhigen Gewässerabschnitten mit z.b einer pheasant tail zu imitieren, weil es einfach nicht dem natürlichen Vorbild entsprechen würde.
Das Fischen mit Nymphen, besonders wenn sie aufsteigend im wetfly swing gefischt werden, kurz vor einem Schlupf ist für mich eine der effektivste Anbietemethoden beim Fliegenfischen.

Die Dun
Sobald die Nymphe zur Oberfläche aufgestiegen ist versucht sie sich aus ihrer Nymphenhülle zu befreien. Dabei platzt die Nymphenhülle auf der Oberseite auf und die Dun kriecht aus ihr heraus. Um die Flügel richtig zu entfalten und zu trocken muss die Fliege dann noch eine gewisse Zeit auf der oberfläche verharren, wobei die nun leere Nymphenhülle oft als eine Art Schwimmhilfe verwendet wird.
Dieses Staduim ist eines der gefährlichsten für die Fliege, da sie Fressfeinden hilflos ausgeliefert ist. Besonders an kühlen, feuchten Tagen, wo das Trocknen der Flügel etwas länger in anspruch nimmt, fressen die Fische mit Vorliebe auskriechende oder frisch geschlüpfte Duns. Die Schlupfzeit variiert von art zu art, jedoch schon im Frühjahr kann man in den etwas wärmeren Mittagsstunden starke Schlüpfe beobachten.
Die nächste und letzte interessante Phase ist der sogenannte Spinnerfall. Die Geschlechtsreifen Imagines kehren zum Gewässer zurück und vollziehen den Eiablageflug indem sie stromaufwärts mehrmals kurz auf der Wasseroberfläche landen um die Eier zu abzugeben. Nach der Eiablage fallen viele Spinner dann mit gespreizten Flügeln auf die Wasserfläche wo sie gerne von den Fischen gefressen werden.